Clemens Stepina
Theaterwissenschaftler und Philosoph



Forschungsschwerpunkte

Der zentrale Forschungsgegenstand in der Philosophie wie in den Geisteswissenschaften ist für Stepina der Begriff des menschlichen Handelns. Am Beginn seiner wissenschaftlichen Laufbahn war er in der Erörterung der bipolaren menschlichen Handlungsformen (Poiesis/Praxis, Arbeit/Handlung, Produktion/Schöpfung usw.) stark vom kritischen Marxismus der Frankfurter Schule sowie vom Neoaristotelismus beeinflusst. In diesem Zusammenhang hat er Fragen der Ökonomie (v.a.: Sozioökonomie) und der Ästhetik (v.a.: Literatur- und Theaterwissenschaft) im Fokus des Handlungsbegriffs auf dem Hintergrund von neomarxistischen Schriften Adornos, Blochs, Benjamins und Horkheimers sowie von neoaristotelischen Schriften Arendts, Gadamers und Ritters diskutiert (Marx und Marxismus im Spiegel der Systemkritik: Studien zu Ökonomie und Ästhetik). Im Anschluss zu seiner Dissertation, die bereits einige Kerngedanken seiner Habilitation enthielt, entwickelte er Vorstudien zu einer systematischen Handlungstheorie, die entsprechende klassische Referenztheorien von Aristoteles, Hegel und Marx zum Gegenstand hatten und im Sammelband Handlung als Prinzip der Moderne wiederveröffentlicht wurden.

Systematische Handlungstheorie

Der grundlegende Gedanke seiner Habilitation Systematische Handlungstheorie ist in der These begründet, dass sich den einzelwissenschaftlichen Modellen des Handelns in den Geisteswissenschaften – in der die Theaterwissenschaft als eine Wissenschaft vom theatralen Handeln integriert ist – ein systematisches Modell überordnen lässt. Die Struktur des gesellschaftlichen Handelns im Spiegel einer Wissenschaftssystematik wie einer Ideologiekritik zu erfassen und zu reformulieren ist die zentrale Aufgabenstellung in dieser Arbeit, die entsprechende Einflüsse der wichtigsten Lehrer von Stepina, dem Sozialphilosophen Johannes Heinrichs und einem Philosophen und Politikwissenschaftler aus der Frankfurter Schule, Iring Fetscher, erkennen lassen. Das Strukturmodell gesellschaftlichen Handelns ist hierbei in folgende soziogenetische Rekonstruktion eingebettet: Die bipolare Tätigkeitsform des Menschen, das Handeln und das Arbeiten, wird in die Mutter-Kind Dyade zurückverfolgt, die im Modus der kommunikationstheoretisch zu verstehenden Soziogenese mikro- und makrosoziologisch ausdifferenziert wird.

Die Ausweitung seiner systematischen Handlungstheorie auf Bereiche der Neuen Medien wie des Spiels bestimmt die aktuelle Weiterentwicklung seiner Forschung. Die Frage, wie menschliche Handlungsbezüge in realen und virtuellen Communities miteinander strukturell verbunden sind, interessiert Stepina sowohl theoretisch als auch empirisch: In einem Theoriemodell, das er im Auftrag der Donauuniversität Krems entworfen, und weitreichende Rezeption erfahren hat, wird die Möglichkeit der Verbindung zwischen sozioökonomischen und virtuellen Gemeinschaften thematisiert. Empirisch wurde dieses wie Modelle anderer Kollegen im Rahmen Europäischer Konferenzen geprüft und diskutiert (BlogTalks – European Conferences On Weblogs). Wie spielerisches Handeln im Kontext gesellschaftlicher Handlungen zu sehen ist, ist der zentrale Gegenstand der Spieltheorie von Stepina, die er in Auseinandersetzung mit diversen zeitgenössischen Referenzmodellen gewonnen hat. Im Fokus des Forschungsinteresses steht dabei das Spiel als handlungsorientierendes Lernmedium des Menschen.

Neben dieser Weiterentwicklung systematischer Handlungstheorie widmet sich Stepina in detailreichen Einzelstudien spezifischen Fragen zur Methodik (Ideologiekritik, Hermeneutik, Erkenntnistheorie, Ästhetik und Kommunikationstheorie) und Richtungen (Marxismus, Frankfurter Schule und Neoaristotelismus) der Philosophie. Geisteswissenschaftlichen Spezialfächern, hier besonders der Literatur- und Theaterwissenschaft, hat Stepina zahlreiche Aufsätze in interdisziplinärer Sicht gewidmet. Zudem ist er Herausgeber von Monographien zur zeitgenössischen österreichischen Literatur und vielfach angefragter Rezensent.

Tags:
Systematische Handlungstheorie, Soziogenetische Spieltheorie, Aesthetik der Frankfurter Schule, Neoaristotelismus

 
© Clemens K. Stepina 2010  |   Impressum   |   Webdesign by berghWerk